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Theory of Colours

Johann Wolfgang von Goethe


Das Leben Jesu, Vorlesungen, 1832, herausg. von K.A. Rütenik

by Friedrich Daniel E. Schleiermacher

Excerpt:

Nun kann zuerst gefragt werden in Beziehung auf die Beschränkung: Wenn wir keinen Menschen dürfen losreißen von der allgemeinen Bedingung feines einzelnen Daseins, also nicht aus seiner Volksthümlichkeit und nicht aus seinem Zeitalter, so scheint dies jene Anwendung, die wir postuliren, daß sie von der Erkenntniß Christi gemacht werden soll, wieder aufzuheben, denn wir find in einem andern Zeitalter, und gehören einer andern Volksthümlichkeit an: können wir daher Christus nicht daraus herausstellen, um ihn in unserm Volk und Zeitalter zu denken, so hat wiederum die Erkenntniß von ihm keinen praktischen Werth, denn das Vorbildliche hört auf. Aber wir können von einem andern Punkte aus die Frage stellen: ist das nicht eine größere Verringerung der spezifischen Dignität Christi, wenn wir ihn denken sollen unter die Bedingungen eines bestimmten Zeitalters und einer bestimmten Volksthümlichkeit gestellt? Jch will mich zuerst an diese leztre Frage halten, und um diese zu beantworten, müssen wir das Verhältniß des einzelnen Menschen in der Geschichte seiner Lebensentwikkelung zu jenen allgemeinen Bedingungen noch näher ins Auge fassen.

Jch muß hier durchaus voraussezen, und glaube es zu können, weil die ganze Jdee von einem Reiche Gottes in seiner irdischen Entwikkeiung sonst etwas leeres und nichtiges sein würde, — daß wir uns das Leben in einer beständigen Fortschreitung zu denken haben, und keineswegs in einem leeren Kreislauf.' Sezen

Einleitung. 11

wir unter dieser Voraussezung das Verhältniß des Einzelnen zum gemeinsamen Leben, so werden wir sehen, daß wir dies als ein zweifaches denken müssen: nämlich ans der einen Seite so, daß allerdings der Einzelne unter der Potenz des Gesammtlebens steht, dem er angehört; dann aber auch auf der andern Seite, daß das Gesammtleben unter der Potenz des Einzelnen steht. Wenn das erste nicht wäre, so wäre der ganze Saz falsch, daß der Einzelne bedingt ist durch das Gesammtleben in welches seine Existenz fällt: aber dann müßten wir alles, was unter die Form der geschichtlichen und natürlichen Nothwendigkeit fällt, für einen Zufall halten: aber wenn das andre falsch wäre, könnte es keine geschichtliche Fortschreitung geben. Auf den ersten Anfang der menschlichen Dinge können wir nicht zurükk gehen, aber im Gesammtleben könnte es keine Entwikkelung geben, in keiner Beziehung, wenn es nicht unter der Potenz des Einzelnen stände. Es giebt aber Menschen, deren Entwikkelung über ihr Volk und ihre Zeit hinausgeht, und deren Entwikkelungsstufen hernach ins Gesammtleben übergehn; fördert aber der Einzelne das Gesammtleben durch Resultate, die vorher nicht da waren aber hernach ein Gemeingut werden, so steht das Ganze unter der Potenz des einzelnen Lebens. Unter denen, die solchen dominirenden Einfluß auf das Gesammtleben üben, kann es aber keinen geben, der, indem er in der einen Beziehung dominirt, nicht in einer andern Beziehung unter der Potenz des Gesammtlebens stände. Diese Duplizität müssen wir also in ihrer Allgemeinheit anerkennen. Nun giebt es freilich überall eine große Menge Einzelner, von welchen sich gar nicht nachweisen läßt, daß sie einen dominirenden Einfluß auf das Gesammtleben ausübten, sondern sie stehn ganz und gar unter der Potenz des Oesammtlebens, das ist natürlich und begreiflich und gehört zum Begriff des Menschen als Gattung. Es könnte sonst kein menschliches Gesammtleben geben, sondern die Einflüsse der Einzelnen würden sich paralysiren, und es gäbe lauter Einzelne, jeden für sich; dann müßten wir sagen, Unter denjenigen, welchen wir einen dominirenden Einfluß dieser Art zuschreiben, kann keiner gedacht werden, der ^nicht^, indem er in einer Beziehung einen solchen Einfluß ausübt, doch in andrer Beziehung unter der Potenz des Gesammtlebens steht. Denn eben weil die Differenz der Einzelneu auf dem Verhältniß der verschiednen menschlichen Thätigkeitsformen des einzelnen Lebens steht, so müssen wir nur diese auch in einem jeden als different denken, nämlich ihrer spezifischen Richtung nach, aber auch der Quantität nach different, und der Einzelne kann einen dominirenden Einfluß nur ausüben vermöge derjenigen Thätigkeitsformen die in ihm selbst dominirend sind, aber in Bezug auf die andern einzelnen (?)") steht er unter der Potenz des Gesammtlebens.

Stellen wir uns dies so fest, und gehen auf unsre spezielle Aufgabe zurükk, so müssen wir sagen: die Sache erscheint jezt nicht mehr so übel, als auf den ersten Anblikk. Es erscheint uns nicht mehr als Aufhebung jeder spezifischen Dignität Christi, wenn wir sagen, daß er auch in einem solchen Verhältniß zum Gesammtleben steht, dem er angehört, wenn wir uns nur denken, daß sein Verhältniß zum Gesammtleben von der Art gewesen ist, daß er, einen dominirenden Einfluß ausgeübt hat. — Weiter können wir sagen: wir unterscheiden Volksthümlichkeit und Zeitalter, aber diese Unterschiede berühren sich doch gegenseitig, und der dominirende Einfluß des Einzellebens ist allerdings ein größerer wenn er diese Berührung mit trifft: wenn der Einzelne einen Einfluß ausübt, der über sein Volk und sein Zeitalter hinaus sich erstrekkt, so ist er ein größerer als wenn er mit dem Zeitalter gleich wieder verschwindet; also ohne dieses fahren zu lassen, daß es ein bestimmtes Verhältniß Christi zu seinem Volksthum und Zeitalter geben mußte, können wir doch denken einen Einfluß seiner Wirksamkeit und zwar einen über alle Völker und über alle Zeitalter sich erstrekkenden. Müssen wir aber darum zugeben, daß Christus auf keine Weise unter der Potenz seines Zeitalters und seiner Volksthümlichkeit gestanden hat? Ich bin sehr vielfältig darüber angefochten worden, daß ich in meiner Glaubenslehre, wo es in der Christologie, wenn man nicht einen todten Buchstaben fortpflanzen will, auf diese Punkte ankommen muß, daß ich da diesen Gegenstand so dargestellt habe, daß man sich allerdings einen Einfluß der Volksthümlichkeit auf Christus, und auch des Zeitalters auf Christus denken müsse. Darüber bin ich von wohlmeinenden Theologen angefochten worden, daß dann die

») Leichter ist der Zusammenhang zn erkennen, wenn statt »einzelnen« gesezt wiro "Thäligkeilssormen,«

Einleitung. 13


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