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Das Treffen bei Lobositz, 1. October 1756

by Alfons Dopsch

Excerpt:

Friedrich 11. an Schwerin.

(Lobositz, 2 oetobre 175(1.)l Dieser Brief erfordert wegen des eminenten Einflusses, welchen er auf einen großen Theil der übrigen Quellen gehabt hat, eine eingehende Besprechung. Es geht anf ihn nämlich nicht bloß die erste preußische Relation von dem Treffen zurück, sondern es haben sich auch viele der späteren Memoiren und darstellenden Werke auf ihn gestützt, oder ihn mindestens für ihre Schilderung verwertet, wie wir bei Besprechung derselben im einzelnen sehen werden. Und dies ist auch leicht erklärlich. Repräsentiert . er doch die Auffassung, wie sie der König, zugleich Obercommandierender der preußischen Armee in dem Treffen, selbst darlegte, eine Auffassung, welche allen späteren preußischen Schilderungen nothwendigerweise als Direetive gelten musste.

Für die Kritik des Briefes selbst erachte ich zwei Momente als wichtig. Derselbe ist geschrieben vom Könige, dem obersten Kriegsherrn, an seinen Feldmarschall, den (Trafen Schwerin. Da ist von vornherein klar, dass Friedrich, der die Oberleitung in dem Treffen führte, seinem General, und sei es auch der alte Vertraute Schwerin, die Fehler, welche er eventuell gemacht, ja auch nur die Momente, in

1 Polit. Corresp. Friedrichs des Grollen. XIII., Berlin, A. Dunckor, 1885, Nr. 8144,

Dopfleh. Treffen bei Lobositz. 1

denen seine Armee im Nachtheil war, nicht gerade besonders eingehend geschildert haben wird.

Anderseits ist der Brief geschrieben am 2. October. Dieser Umstand, der auf den ersten Augenblick für die Zuverlässigkeit der gemachten Angaben zu sprechen scheint, bedingt geradezu einen Nachtheil, wenn man die Eigenart dieses Treffens in Rechnung zieht. Friedrich gedachte durch dasselbe den Entsatzmarsch, welchen der österreichische Feldmarschall Brounl zu Gunsten der bei Pirna eingeschlossenen Sachsen angeblich am linken Elbeufer (über Lobositz-Teplitz) vorhatte, zu vereiteln. Am Abende nach dem Treffen verblieben nun beide Armeen in ihren früheren Stellungen und erst am folgenden Tage zog sich Broun in sein altes Lager nach Budin zurück. Damit war nach Friedrichs Meinung der Zweck des Treffens vollauf erreicht, und er konnte von seinem Standpunkte aus dasselbe mit Recht als zu seinen Gunsten entschieden betrachten. Am Abende vorher also stand die Sachlage viel weniger günstig für Friedrich, besonders wenn man noch einige Einzelmomente berücksichtigt, die den Erfolg auf preußischer Seite gerade am Tage des Treffens sehr zweifelhaft erscheinen lassen mussten.2 Es würde sonach ein Bericht Friedrichs vom Vortage jedenfalls ein ganz anderes Gepräge tragen, viel weniger siegesbewusst abgefasst sein. Am 2. October aber lag für denselben gar keine Veranlassung vor, der für ihn ungünstigen Gefechtsmomente besonders Erwähnung zu thun.

Dazu kommt die Anlage des Briefes selbst. Derselbe ist keineswegs eine detaillierte Schilderung aller einzelnen Phasen des Kampfes, sondern gibt nur eine übersichtliche Darstelllung des Gefechtes überhaupt. Dabei unterlaufen sogar nicht selten Ungenauigkeiten, ja geradezu Irrthümer

1 Ich halte diese Schreibweise (franz.: Brouno) gegenüber allen anderen (Browne etc.) für die einzig richtige, da sowohl der Marschall selbst sich stets so unterschrieb, anderseits aber man sich auch in den officiellon Zuschrifton an ihn (so vom Hofkriegsrath) stets dieser Schreibweise bodionte.

J Vgl. den Excurs.

lassen sieh constatieren, ohue dass dieselben sich durch die örtliche Stellang des Königs während des Kampfes (auf dem rechten Flügel) erklären und vielleicht entschuldigen ließen. So erzählt Friedrich, dass seine Cavallerie in einem Treffen aufgestellt gewesen sei, während sie thatsächlich drei solche formierte. Nach ihm wäre die preußische Armee nur 24 Bataillone stark gewesen, und doch spricht er anderseits von „24 bntaillnns de la premiitre ligne".1 Den dreistündigen Artilleriekampf zu Beginn des Gefechtes erwähnt er gar nicht, sondern begnügt sich im Verlaufe der weiteren Darstellung mit der beiläufigen Bemerkung, „la canonade cependant ne discontinuait pas"'. Allerdings mochte ihm diese Art der Schilderung für seine Zwecke weit vortheilhafter erscheinen.2 So darf es uns denn auch nicht wundern, dass im allgemeinen eine subjectivo Färbung überall zu Tage tritt. Jene Gefechtsmomente, welche für die Preußen günstig ausfielen, werden besonders hervorgehoben und eingehend dargestellt, während Friedrich dort, wo ein Nachtheil auf preußischer Seite zu constatieren wäre, sich einer auffallenden Kürze befleißigt. Dies findet seinen Ausdruck in einer kaum zufalligen stilistischen Nüancierung. So bei der Schilderung der preußischen Cavallerie-Angriffe. Das anfangs siegreiche Vorgehen der preußischen Reiter malt der König mit grellleuchtenden Farben: „battre toUdement tonte In cavalerle atitrichienne". Dagegen wie matt nimmt sich der schließliche Sieg der Österreicher über diese Cavallerie aus, obzwar der Ruin der letzteren doch vollständig war. Friedrich spricht nur von einem „retirer sous notre protection" und versichert noch „personne tut Inspourmivit". Ähnlich und vielleicht noch einseitiger ist die Darstellung des Kampfes am Lobosch und in Lobositz. Nach Friedrichs Schilderung müsste man annehmen, dass die preußische Infanterie des linken Flügels kaum auf ernstlichen Widerstand österreichischerseits gestoßen sei und ohne


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