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Novalis Including Hymns to the Night

Novalis, George MacDonald, Thomas Carlyle


The Picture of Dorian Gray

Oscar Wilde


The Fairy Tale of the Green Snake and the Beautiful Lily

Johann Wolfgang von Goethe, Thomas Carlyle, Rudolf Steiner


Leaves of Grass

Walt Whitman


Die alte Brauerei, oder Criminalmysterien von New-York

by Theodor Griesinger

Excerpt:

letzten Entschluß zu fafsen. Das Zimmer lag zu ebener Erde und ganz isolirt von den übrigen Gemächern in einem eigenen kleinen Anbau an der hintern Seite des Hauses. Es war nur von zwei Fenstern erleuchtet und diese hatte man zur Vorsicht mit schweren Eisengittern versehen, da hier das Werthvollste, welches die Familie besaß, aufbewahrt wurde. Die Einrichtung des Zimmers war sehr einfach. Einige Glaskästen, hinter deren Fenstern man eine Reihe von hübsch eingebundenen Büchern bemerken konnte. Ein langer Tisch in der Mitte des Salons mit einem halben Dutzend Lehnsessel, um sich mit Bequemlichkeit der Lectüre hingeben zu können, ein großer Schreibtisch mit Papier und den übrigen nöthigen Materialien; dazu grüne Vorhänge, die man herablafsen konnte, um das Sonnenlicht abzuwehren, ein weiche? Bodenteppich, darauf jedes Geräusch verhallte und an den Wänden einige Gemälde in breiten Goldrahmen, — meist Porträts, ohne Zweisel von dahingegangenen Familienmitgliedern. Das war Alles.

Die Unterredung hatte schon über zwei Stunden gedauert und mußte offenbar wichtige Interessen berühren; denn Frau Cooper hatte auf ihrem breiten Schreibtische eine Menge Papiere ausgebreitet, die sie für gewöhnlich in einer besonderen Chatulle aufzubewahren pflegte, welche sie jederzeit in ihrem Schreibtische sest verschlossen hielt. Die Chatulle war von Eisen, roth angestrichen und hatte ein eigenthümliches Schloß, das sich nur von einem Eingeweihten öffnen ließ. Ietzt stand sie ofsen auf dem Schreibtische, da die darin aufbewahrten Werthpapiere, wie es schien, bei der Unterredung auch eine Rolle mitzuspielen gehabt hatten.

„Es geschieht also mit Ihrer vollkommensten Übereinstimmung, verehrte Frau," sagte jetzt Herr Brady aufstehend. „wenn ich den Mann in Brooklyn wegen seiner doppelten und dreisachen Vergehen verhaften und vor Gericht stellen lafse. Denn, ich muß es wiederholen, Sic müssen sich die Folgen wohl vor Augen stellen. Durch diese Verhaftung und Vorgerichtstellung wird die Eristenz des Herrn Doctor Beecher für immer vernichtet. Er ist ein verlorener Mann, so bald ich gegen ihn einschreite, auch sogar wenn er später durch Geld oder Bestechung der Geschwornen seine Freisprechung erwirken sollte."

„Wir haben dieß Alles wohl überlegt, Brady," erwiederte Frau Cooper sest, obwohl mit trübem Blicke und schmerzlich bewegtem Gesichte. „Alfred und ich haben Alles wohl überlegt; aber es geschieht mit unserer vollkommensten Übereinstimmung, wenn Sie jetzt thun, was Ihres Amtes ist. Und wenn es mein eigener Bruder wäre, so würde ich nicht anders verfahren, denn hier handelt es sich nicht mehr von einer Verirrung; nein, es handelt sich von einem Verbrechen. Nie sollen mich irdische Rücksichten bestimmen, nicht das Mcinige dazu beizutragen, daß ein Elender entlarvt werde."

„Sie sprechen mir aus der Seele, edle Frau," sagte Brady, „und was an mir ist, soll geschehen, um der Frau Vodin Recht zu verschaffen und jenen heuchlerischen Priester zur Strase zu ziehen. Aber weh thut es mir, innerlich weh, »aß Ihr bisher so ruhiges Leben auf einmal in den Strudel der Welt mit hineingerissen wird, und daß Sie hiedurch fast «gezwungen sind, Ihren Wohnsitz hier aufzugeben."

„Auch mich schmerzt es, aber es muß sein," entgegnete Frau Cooper mit schwachem Lächeln. „Nicht deßwegen, weil Alfred durch die Schlechtigkeit seines Stiefvaters sein ganzes Vermögen oder doch den größten Theil desselben verlieren wird oder schon verloren hat; nein, nicht deßwegen, aber — aber ich könnte es nicht mehr übers Herz bringen, in dem Staate zu leben, in welchem der Vater des Gemahls meiner einzigen Tochter im Zuchthause sitzt. Und, — und Marc hat Recht, die Verdorbenheit ist hier so groß, daß man Gefahr läuft, Mit jedem Athemzug ein Verbrechen einzuathmen. In jenem schönen Lande, wohin wir ziehen, werden wir vielleicht etwas einsamer leben, aber wir leben dann in einer Gegend, die noch nicht von dem Gifthauche der Uebercivilisation angesteckt ist. Besinnen Sie sich also nicht, mein lieber alter Freund, mit dem Verkaufe meines Eigenthums hier vorzuschreiten. Die Besitztitel sind gut, wie Sie sagen, die Pfandverschreibung, die einst der Banquier Morris von uns in Händen hatte, ist eingelöst; somit wird die Sache keine Schwierigkeiten haben."

Herr Brady machte keine Einwendung mehr, sondern drückte der edlen Frau nur stumm die Hand. In diesem Augenblicke aber fuhr ein Wagen vor das Portal des Hauses. Es war der Gallawagen des Banquier Morris.


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