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The Characters of Theophrastus

Theophrastus


Esoteric Buddhism

A. P. Sinnett


The Revolt of the Netherlands

Friedrich Schiller


Mortal Coils

Aldous Huxley


Neue Heidelberger Jahrb├╝cher

by Historisch-Philosophischer Verein zu Heidelberg

Excerpt:

2) . . . . motis flores cecidere capillis, accidere in mensas ut rosa missa solet. Ovid, Fasti V, 359 f.; vergl. 194. 277 f. Beim Gastmahl des reichen Trimalchio weichen mit Getöse die Balken der Decke über den Speisenden auseinander, und ein mächtiger Reifen mit daran hängenden Salbenfläschchen und Kränzen, Abschiedsgeschenken für die Gäste (apophoreta) wird herabgelassen (Petron., sat. c. 60), eine plumpe üeberbietung jenes Brauches.

Sportein im Betrage von je 100 Denaren und lose Rosen (rosae solutae) als Gegengabe der ländlichen Göttin überreicht. Am Haupttage, dem zweiten, verteilte der „Meister", vor der Pforte des Rundtempels stehend, Rosenkränze an die Brüder. Er rief ihre Namen auf und Hess einen Diener mit der Spende herumgehen. Sie weihten darauf die Kränze durch Berührung mit dem Altar der Göttin und schmückten damit die Götterbilder im Tempel1). — Dieser Ritus, dessen Einzelheiten uns in den marmornen Urkunden der Arval-Brüderschaft aufbewahrt sind, kann als vorbildlich gelten für eine Reihe ähnlicher sakraler Rosenausteilungen, von denen wir nur andeutende Kunde besitzen. Doch reicht das Wenige, um gewahr zu werden, dass hier ein uralter Brauch ländlicher Opferfeste sich in das Christentum hinein gerettet hat. Wir müssen dazu genauer auf die altitalischen Rosarien oder Rosalien eingehen.

Mitten in der Frühlingslust mahnten diese Feste an die Vergänglichkeit der Blütenpracht, der Jugend, des Lebens und aller irdischen Dinge. Aus hadrianischer Zeit wird uns von einem stadtrömischen Brauche berichtet, der die Flüchtigkeit der Rosenblüte zu malen bestimmt war: Wettläufer rannten durch die Strassen und streuten Rosen unter das Volk aus2). Das Wesentliche an den Rosalien aber war ihre Bedeutung als Totenfest. Im Gegensatz zu dem öffentlichen, mehrtägigen Ahnen-Gedenkfest im Februar, den Parentalien, wurden die Rosalien im Innern der Familien und Kollegien zu verschieden angesetzten Zeiten im Mai, hier und da auch im Juni begangen. Sie zeigten eine geheimnisvoll zwiespältige Färbung; die antike, sinnliche Lebensfreude rang in ihnen mit dem Ernst des Todes, eine Stimmung, die uns aus horazischen Frühlingsoden wohlbekannt ist:

Salbet das Haupt jetzt, schmücket die Stirn mit der Myrten grünem Kranze,

Mit Blumen von der neuverjüngten Erde;
Bringt jetzt Faunus ein festliches Opfer im kühlen Waldesschatten,

Ein Lamm, ein Böcklein, wie es ihm genehm ist;
Naht doch den Hütten der Armen, wie auch dem Palast des stolzen Königs

Der bleiche Tod, und unser kurzes Leben,
Glücklicher, lässt weitgehendem Hoffen und Sorgen keinen Spielraum:

Nacht deckt dich bald und sagenhafte Schatten.

Dasselbe, zwischen Lust und Trauer schwankende Gefühl, welches der Freund des Mäcen hier mit der verfeinernden Tondämpfung eines Mannes der besten Gesellschaft in griechischen Versmassen vorträgt,

1) Henzen, Acta fratrum Arvalium p. 13. 27. 33. 39.

2) Philostrat. Ep. 55 p. 360 K.

wird uns noch einmal mit groben, ungeschminkten Zügen und wilden, fast barbarischen Naturlauten in den Leichenfesten italienischer Alpenbewohner unserer Tage entgegentreten. Bei den altitalischen Rosalien nun versammelten sich die Feiernden an den Grabstätten ihrer Angehörigen zum Opfer und Gastmahl. Draussen vor den Thoren Roms, in der Campagna, wo zwischen den Bogenreihen der Aquädukte die Gräberstrassen sich in der Ferne verlieren, stehen noch heute an der Via Latina zerstreute Gräber des Altertums dem Besuche der Lebenden offen. Man steigt hinab aus dem Sonnenbrand in kühle Grüfte, deren Wände und gewölbte Decken mit Malereien und Stuckreliefs in einem ungemein leichten und anmutigen Stile, aus dem zweiten Jahrhundert u. Z. stammend, bedeckt sind. Ein Netz von zierlichen Leisten und lebensvollen Arabesken, verleiht den weissen Stuckflächen ein festlich heiteres Gepräge. Dazwischen ist eine Menge leicht umrahmter, eine bis einige Spannen grosser Bildchen in wohl berechneter Anordnung eingelegt. Da sehen wir das menschliche Leben in den Sagen der Heroenzeit sich spiegeln. Die dämonische Macht der Liebe im Urteil des Paris, die treue, den Tod selbst bezwingende Neigung der Gatten in Admet und Alcestis; der Schmerz des greisen Priamus um Hektors Tod; die Seligkeit des Herkules, der, um seiner Mühen willen zu den Göttern erhoben, dort in dionysischer Wonne, von Gestalten des Thiasus umgeben die Leier spielt: Bilder, wie diese, zeigen das Wirkliche zur Dichtung verklärt und das Ahnen zu symbolischem Schauen verdichtet. Dieselbe innere Harmonie und Seelenwärme, dasselbe froh durchrieselnde Lebensgefühl atmet aus einer Reihe von Landschaftsskizzen: Gebirgseinöden, wo Löwen und Panther zwischen stürzenden Bergströmen hausen; Fluss- und Strandbilder mit Fischern, Barken, kleinen Heiligtümern, Votivsäulen und Guirlanden; belebte Weidegründe und Landstrassen, — alles graziös und gleichsam spielend, doch mit der sichersten Hand entworfen. Eine der Deckenwölbungen ist übersät mit kleinen Rundbildern, die Tritonen und Nereiden auf dem Rücken von wundersam vielgestaltigen Seegottheiten und -ungeheuern gelagert, von den Klängen ihrer Saitenspiele und Flöten umrauscht zeigen. So mag den Seelen zu Mute sein, die auf den Inseln der Seligen ihren Sitz haben oder — gleich jenem verhüllten Schatten auf dem geflügelten Greifen, im mittelsten Felde der Wölbung, — zu den Himmlischen emporgetragen werden. Alles, von den heroischen und idyllischen Spiegelungen des Erdenlebens bis zu den ahnungsvollen Andeutungen des jenseitigen, ist heiter und leuchtend, — wie der südliche Himmel, wie ein seliger Kindheitstraum. Der Tod ist kein schauererregender Abgrund, sondern eine sanfte Woge, auf der die Menschen von der schönen Erde nach dem schöneren Wunschland leicht hinübergleiten.


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