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The Secret Doctrine, Volume I Cosmogenesis

H. P. Blavatsky


Mortal Coils

Aldous Huxley


Letters on the Aesthetical Education of Man

Friedrich Schiller


The Pictorial Key to the Tarot

Arthur Edward Waite


Novellen. Gesammt-Ausg. 16 Bdchen

by Henrich Steffens

Excerpt:

m'cht bloß äußerte bei Ausdrücken, die durch ihren furchtbaren Mißbrauch diesen wohl erregen könnten, «i. ' Freiheit, Gleichheit, Menschenrechte, sondem auch bei solchen, die, wenigstens in Deutschland, durch eine umfassendere, gemäßigtere Bedeutung veredelt sind, wie die Ausdrücke: öffentliche Meinung, Volk. Es war um so überraschender, da dieser Widerwille in einem so unbegreiflichen Widerspruche mit seiner umsichtigen, freien geistigen Bildung stand, daß er fast wie eine flre Idee erschien. Einst, als ich mit Lebhaftigkeit die ungehemmte Aeußerung der öffentlichen Meinung als die höchste Wohlthat für ein gebildetes Volk bezeichnete, ««erbrach er mich mit großer Heftigkeit. — Daß ich doch immer jene sinnverkehrenden Ausdrücke hören muß! Iunger Mann, sagte er, Sie treten unbefangen in die Morgmro'the des Lebens hinein, wo da Leben, wie die Liebe, uns ein goldener Traum scheint. Was uns durchdringt, muß, so glauben wir, Ieden ergreifen; wir ahnen allenthalben, wie in der ersten Liebe, den Wiederhall der eigenen, heiligen Gefühle; da glauben »>r, daß die verborgensten Wünsche laut geworden sind >" der Zeit, in welcher wir leben. Weh uns, wenn wir uns der gefährlichen Täuschung hingeben! Alles Bettrauen geht mit diesem ersten, schönsten zu Grunde; stchm leer, verlassen von der Welt und uns selber;

ja, wir endigen mit Verrath, denn diese unselige Liel endet nicht, bis sie uns durch die frechen Buhlerkünsi der Zeit in einen bodenlosen Abgrund von Verwoi fenheit hineingelockt hat, um uns dann mit Hohn lachen zu verlassen. Dann wirft sie uns ein Afterbil der frühern Neigung hin, und sinnbethö'rt, wie m Wahnsinn, hängen wir uns an dieses. Wir hassen was wir ursprünglich liebten, und können dennoch die alte Liebe nicht ausrotten. Alles Leben hängt nn dem, was wir hassen, und dem wir dennoch nicht zu entsagen vermögen; und ein innerer Zwiespalt verzehrt uns. Dann erkennen wir in der öffentlichen Meinung die öffentliche Buhldirne der Zeit, und ihre Schönheit, d« uns noch immer verstricken möchte, mischt ein grauenhaftes Entsetzen in die lockende Lust.— Es war etwas Furchtbares in dem Eifer, mit welchem er sprach, und ich glaubte, die schrecklichen Erfahrungen seines eigenen Lebens, ein unwillkürliches Selbstgeständniß in diesen Aeußerungen zu hören. Seine Heftigkeit hatte mich erschüttert; das Gespräch stockte, und er schien zu fühlen, daß ein Bekenntniß der Art, so ausgesprochen, weiter gehen müsse. Er schien selbst über seine Äusserungen erschrocken, und ich suchte die leidenschaftliche Wendung des Gesprächs durch einen allgemeinem, höhern Standpunkt der Betrachtung zu ebnen. Wenn

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ier Astronom, sagte ich, als ich mich innerlich beruhigt fühlte, sich in die Betrachtung des Weltalls verlint, dann ist es ihm vergönnt, die Erde in einen kleinen, aber hellleuchtenden Punkt zu verwandeln; alle trüben Wolken einer engen Umgebung verschwinden, lösm sich in ein heiteres Licht auf, in welchem die Erde ihre ruhige Bahn, von der ewigen Ordnung ihr bestimmt, fortrollt. Ist dieß dem Forscher der äußern Erscheinung gegeben, wie vielmehr muß ein solcher ruhiger Standpunkt, der. alle Trübsale der Gegenwart und des eigenen Lebens vernichtet, sich demjenigen aufimnzm, der in die heilige, unermeßliche Tiefe der EntnMung unsers Geschlechts, des Geistes zu schauen K»zt. Durch die Wolken, die, je niedriger sie sind, desto undurchdringlicher werden, schauen wir den Himmel mehr, und erst, wenn wir die heilige Sonne des Geschlechts als den ruhigen Mittelpunkt erkannt haben, ordnen sich die Bahnen aller Zeiten, erst dann erscheint eine jede Zeit als eine geordnete; die trüben Wolken sind verflogen, und Alles leuchtet in dem milden Glanze der ewigen Liebe, dem Wiederstrahl der erkannten geistigen Sonne. Wer sind wir, wenn wir wchts erfahren haben, als was uns das Scheinleben der Zeit in ewiger, räthselhaft verschlungener Verwir^z, darbietet, wenn wir gefesselt sind durch einen festen Punkt, der uns die freie Bewegung um die innere Sonne verwehrt? Die Verwirrung der engen Gegenwart wirst sich zerstörend auf Vergangenheit und Zukunft, und in den Abgrund wechselnder Meinungen hinabgestürzt, erscheint uns der ruhende Geist in verworrener Bewegung, und das Nichtige, Unruhige fesselt uns. Die öffentliche Meinung ist nicht jene Mannigfaltigkeit wechselnder Meinungen, die sich gegenseitig bekämpfen, hemmen, indem bald diese, bald jene vorherrscht, alle in ihrer Einzelnheit gleich nichtig. Sie schließt die Mannigfaltigkeit, wie die Gewalt eines Ein- , zelnen aus. Wenn wir von einem Menschen sagen, «r meine es gut, oder, man habe von ihm eine gute Meinung, dann geht dieser Ausdruck nicht auf etwas Bestimmtes, er bezeichnet seine ganze Persönlichkeit. Wo die Meinungen sich wechselseitig hemmen, ist die öffentliche Meinung gehemmt; wo eine vorherrscht, ist sie ganz unterdrückt. Sie ist die ebnende, Alles ausgleichende aller kämpfenden Ansichten; wo sie waltet, zst die gesunde Entwickelung des Geschlechts in fröhlichem Gedeihen, und selbst der Erlöser, der nicht eine Meinung, der das Unwandelbare selbst, die Sonne dcs Geschlechts, strahlend hervortreten ließ, wollte nicht, daß seine Lehre die bestehende Ordnung, den Gang der Entwickelung stören sollte, und wies den bedenklichsten

Kampf in das innerste Heiligthum des Gemüths zurück. — Indem ich so sprach, schien der Fremde äußerst bewegt; er blickte mich lange freundlich an; eine Thräne drängte sich unwillkürlich hervor, aber plötzlich richtete er sich auf, schüttelte, wie unwillig über sich selber, den Kops und verließ mich mit einem bedeutenden Händedruck.

Noch kannte ich seinen Namen nicht, noch hatte er mir nicht gestanden, daß er ein Deutscher war, und ich wollte mich nicht in sein Vertrauen hineindrängen.

Obgleich ich wenig genauen Umgang hatte, lebte ich dennoch unter den Studirenden, aß an einem öffentlichen Orte. Unter diesen siel mir besonders ein junger Mann auf. Er war äußerst lebhaft, seine Gesichtszüge waren in beständiger Bewegung, die dunkeln Haare flatterten in krausen Locken um die Schultern, und mit den großen, feurigen schwarzen Augen schien er einen Ieden durchbohren zu wollen. Er hieß Banner und war aus Straßburg gebürtig. —


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