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Novalis Including Hymns to the Night

Novalis, George MacDonald, Thomas Carlyle


Esoteric Buddhism

A. P. Sinnett


Shakti and Shakta

John Woodroffe


Ostindische Damen und Herren

by J. ten Brink

Excerpt:

Dann trank sie Wasser, viel Wasser, um ihre Aufregung zu bezwingen, und wischte die Thränenspuren weg. Sie gab sich alle mögliche Mühe, um wieder den früheren, ruhigen, glatten, unterthänigen Ausdruck auf ihrem Gesichte erscheinen zu lassen. Als ihr dieß geglückt war, raffte sie einige Gegenstände für den Gebrauch im Badezimmer zusammen, und entfernte sich, um ein Bad zu nehmen.

Eine Viertelstunde später saß sie wieder auf ihrem Sofa, äußerlich ganz gefaßt und ruhig. Nur die Linien um ihren Mund waren noch nicht ganz wieder verschwunden. Melatti kniete vor ihr und hielt den Schuh für den verhältnißmäßig kleinen Fuß der Gouvernaute bereit. Das arme Mädchen neigte den Kopf und zitterte vor Angst. Eine Fluth von Scheltworten und Schmähungen regnete auf sie nieder, und Melatti war sich doch keiner Schuld bewußt. Auf einmal versauk die Gouvernante in tiefes Nachdenken. Sie saß vor ihrem Toilettenspiegel und kreuzte die dicken, fleischigen Arme über ihrer Brust. Melatti begann ihre mühselige Frisirarbeit unter Angst und Beben. Das Fräulein aber sprach kein Wort mehr, schien nicht einmal ihrer Coiffüre irgend eine Aufmerksamkeit zu schenken, und schloß geraume Zeit die Augen.

Welche Gedanken mögen wohl durch ihr Hirn geflogen — welche Reihe bunter Bilder mag wohl vor ihrer Phantasie vorübergezogen sein?

Zuerst war es ein Zimmer im Marinehatel zu Batavia, sie kommt Abends verstohlen in dasselbe, um einen Leidenden zu besuchen, einen Leidenden, der klagt und murrt, sobald alle Gefahr vorbei ist — sie spricht leise mit dem Unglücklichen, dessen Gesicht durch Brandwunden entstellt ist, sie tröstet ihn, so gut sie kann, sie flüstert ihm zu, daß er die Hoffnung nicht aufgeben möge, daß sie ihm helfen wolle, daß sie Beide für immer verbunden sind, da auch sie sich jetzt in einer sehr schwierigen Lage befindet. Das währt so lange Zeit, bis der Kranke endlich wiederhergestellt ist, obschon die rothen Flecken und Narben seines Gesichtes seine trübe Stimmung immer vermehren. Aber immer wieder weiß sie ihn zu ermuthigen, und obschon eine wirkliche Gefahr für ihren guten Namen daraus entstehen könnte, kommt sie doch immer wieder zurück und erzählt ihm, was sie von den vornehmen Kreisen Batavia's hört — wie sie Mevrouw Ruytenburg's Gunst niemals verloren hat, da diese aus bloßer Parteilichkeit kein Wort von Penurots Erzählungen glaubt, um so mehr, weil jener selbst aus unerklärlichen Ursachen, Einige sagen Schulden halber, aus Batavia verschwunden ist. Niemand weiß, wohin. Endlich ist der Leidende wieder hergestellt. Noch einmal besucht sie in tiefster Stille das bewußte Zimmer im Marinehötel. Sie bringt wichtige Nachrichten. Mevrouw Ruytenburg hat ihr bei der kränklichen Mevrouw Andermans eine Stelle ausgemacht. Sie logirte bis jetzt immer noch bei ihren Freundinnen, den Damen Henkens, welche ihre Parthie genommen hatten — aber das mußte doch ein Ende nehmen. Der wiederhergestellte Patient nimmt lebhaften Antheil an der Erzählung, auf welche eine schnelle, flüsternde, lange Unterhaltung folgt.

Der Bund zwischen Beiden wird erneut. Sie schmieden einen schönen Plan. Es war ein listiger, außerordentlich schlau angelegter Plan. Sie selbst stand für das gute Gelingen desselben ein — und er faßte nun erst wieder Muth. An diesem Abend wiederholt er ihr noch einmal die feurigsten Liebesgcständnisse, noch einmal schwört er ihr heilige Treue.

Fräulein Serpensteyn unterbricht hier selbst den Lauf ihrer Gedanken, sie schüttelt wüthend den Kopf, und lacht bitter. Melatti, die gerade einen Schildpattkamm in die dünnen, armseligen Haarflechten stecken wollte, Melatti fuhr erschreckt zurück — die arme Kammerfrau glaubte ihre Herrin verletzt zu haben. Aber laut und fpitzig wurde ihr der Befehl ertheilt, ihr Werk fortzusetzen.

Die Gouvernante träumt weiter, neue Bilder ziehen langsam durch den Nebel der Erinnerung. Sie hat ihre Stellung bei der Familie Andermans angetreten. Die Frau des Hauses ist fortwährend ernstlich krank — und Fräulein Serpensteyn führt die Wirtschaft. Zuweilen kommt es vor, daß nach dem Einbrechen der Dunkelheit leife an ihr Fenster geklopft wird — dann schleicht er hinein, um Alphonsinen allerlei Neues zu erzählen, um mit ihr zu überlegen, sie um Rath zu fragen. Einmal frug er sie um ... . Geld. Sie hatte Iahre lang gespart und hatte mehr auf die Seite gelegt, als man ahnte. Und sie hing fehr an ihrem Gelde, sie hatte gespart und zusammengescharrt, — fast grenzte es an Geiz. Aber als er sie darum bat, gab sie ihm gleich einige verknitterte Hundertguldenbanknoten. Als einmal dieser Schritt gethan war, verlangte er mehr und fragte sie wiederholt unter den innigsten Betheuerungen seiner Liebe um Anlehen. Und Niemand entdeckte das Geheimniß ihres Verhältnisses, da er sich seit seinem Unfalle während des Brandes gänzlich aus der batavischen dean-uionäe zurückgezogen hatte, weil er sich von der ganzen Welt verkannt und verrathen wähnte.


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